Demokratie ist mehr als ein Begriff aus dem Gemeinschaftskundeunterricht. Sie lebt davon, dass Menschen ihre Meinung äußern, anderen zuhören, unterschiedliche Positionen aushalten und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Genau hier setzt die Lange Nacht der Demokratie an – beide Vaihinger Realschulen beteiligten sich aktiv daran.
Demokratieprojekte machen Schule
Bereits im Vorfeld entstanden in Projektarbeit der Klassen 5-8 ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema: ausgestellt wurden Collagen zum Grundgesetz, „Wehende Wimpel der Hoffnung“ aus dem Kunstunterricht, Holzarbeiten wie eine Wahlurne, Plakate zur Klassensprecherwahl, künstlerische Umsetzungsbeispiele zu Menschenrechten und ein Mitbestimmungsbaum. Auch die Arbeitsgruppe „Jugend debattiert“ der OMRS war mit am Start. Der Projektprozess, die Entstehung und weitere Ergebnisse aus dem Schulleben wurden durch eine Foto-Show am Bildschirm gezeigt. Stefanie Bollmoor und Laura Lumpp hatten mit einem engagierten Team die Ideen zusammengetragen.
Auf der Ausstellungsfläche wurde deutlich: Demokratiebildung ist keine Aufgabe, die erst mit dem Wahlalter beginnt. Sie beginnt viel früher – wenn Kinder lernen, ihre Meinung zu äußern, wenn sie erfahren, dass Regeln gemeinsam gestaltet werden können, wenn unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen und wenn aus Diskussionen gemeinsames Handeln entsteht.
Filmvorführung in der Stadtkirche
Für die Klassen 9 und 10 stand schon am Vormittag ein besonderer Programmpunkt auf dem Plan: eine Filmvorführung von „Führer und Verführer“ in der Stadtkirche. Dabei handelt es sich um ein Mosaik aus Spielfilm-Szenen von 1938-45, historisch-dokumentarischem Material, Tagebucheinträgen sowie Aussagen von Holocaust-Überlebenden. 180 Jugendliche konnten nach dem Film direkt mit dem Regisseur Joachim A. Lang ins Gespräch kommen. Der Drehbuchautor und Produzent zeigte sich den Jugendlichen zugewandt und berichtete von seiner Motivation zum Film. Im Gespräch ging es dann um die Rezeption, den Dreh, seine Auswahl der Schauspieler und seine persönlichen Begegnungen mit Zeitzeugen. Auch die Hintergründe zur Entstehung des Films und die Arbeit an einem historischen Stoff wurden thematisiert. Lang appellierte an die Jugendlichen, kritisches Beobachten und Prüfen seien wichtig: „Schaut genau hin – und lasst euch nicht verführen!“
Mitmachaktion
Für die Besucher der Ausstellung am Abend gab es eine Mitmachaktion: An einer „Streitlinie“ konnten sie sich zur Frage „Ist unsere Demokratie in Gefahr?“ positionieren. Ein Post-it genügte als niederschwelliges Angebot, bei dem der eigene Standpunkt auch ohne Text ausgedrückt werden konnte.
Die Motivation für das Engagement der Realschulen beschreibt Laura Lumpp so:
„Wir Schulen bilden (neben den Eltern) die wichtigste Säule in der Demokratiebildung. Die zunehmende Politikverdrossenheit in unserer Gesellschaft und die gleichzeitige Stärkung der politischen Ränder, schaden unserer Demokratie und deshalb kommt uns als Institution Schule die wichtige Aufgabe der Aufklärung zu.“
Damit reichte der „Stundenplan“ der Schülerinnen und Schüler von FSR und OMRS von konkreten Erfahrungen mit Mitbestimmung und Menschenrechten bis zur Auseinandersetzung mit Geschichte, Film und aktuellen gesellschaftlichen Fragen.
Text: Eva Fabritius